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Französische Revolution auf Rollen

  Immer freitags um 22 Uhr findet in Paris ein weltweit einmaliger Aufmarsch statt: bis zu 20.000 Rollerskater erobern mit Unterstützung der Polizei die Seine-Metropole. Seit 1994 hat sich ihr Kampf gegen die Herrschaft des Automobils zusehends verstärkt.
Die Revolutionäre kommen mit Polizeischutz und auf kleinen Gummirädern. Dort, wo während der Französischen Revolution die Guillotine massenhaft Köpfe abtrennte, sammeln sich jeden Freitagabend die Vertreter einer neuen Verkehrs-Revolution für einen modernen Kreuzzug.
15.000 bis 20.000 Rollerskater treffen sich auf der weiträumigen Place d'Italie im 13. Pariser Arrondissement. Zu Disko-Rhythmen und Rockmusik legen sie vor den Augen wachsamer Polizisten tausendfach ihre Ausrüstung an.
Die Mission der Skater: Ausgestattet mit Knieschützern, Trillerpfeifen und guter Kondition das nächtliche Paris erobern. Drei bis vier Stunden dauert die schweißtreibende Stadtrundfahrt, bei der die Skater zwischen Eiffelturm, Montmartre und Bastille-Oper rund 25 Kilometer zurücklegen. Fußgänger, Auto- und Motorradfahrer müssen warten, wenn die Skater wie ein enormer Bandwurm über Boulevards und Avenuen gleiten. Empörtes Hupen wartender Autofahrer beantworten die gummi-bereiften Invasoren mit gellenden Pfiffen ihrer Trillerpfeifen. Zu ihrem werden die selbst ernannten "Kämpfer gegen die Herrschaft des Automobils" bei ihrer spektakulären Ausfahrt von der Polizei begleitet. Rollerskater Henri Gairaud (24): "Ich fahre mit, weil einmal pro Woche Fußgänger mit Rollen stärker sind als Autofahrer und rote Ampeln. Mit unseren Gummirollen stoppen wir jeden Sportwagen."

Was 1994 als private Verabredung einer Hand voll Rollschuhfahrer begann, ist inzwischen eine kultartige Demonstration. Die Rollerskater kommen aus Paris und Umgebung. Verstärkung erhalten sie aus der Provinz und sogar aus dem Ausland. "Inlineskating ist nicht nur das Vergnügen, gemeinsam durch die Straßen zu gleiten, sondern eine Philosophie und ein gesellschaftliches Phänomen", sagt Boris Belohlavek. Der 27-jährige Computertechniker ist Präsident im Verein "Pari Roller", der die wöchentlichen Mammut-Ausfahrten mit wechselnder Strecke organisiert.
Am Straßenrand des Boulevards im Pariser Künstlerviertel St.-Germain-des-Pres vergessen die Spaziergänger ihre Promenade, in den Cafes verstummt die Unterhaltung. Die Blicke richten sich auf das surreale Schauspiel. Tausende Skater surren wie eine Invasion Außerirdischer vorbei, während die normal Sterblichen mit ihren Straßenschuhen wie fest genagelt auf dem Trottoir stehen.

"So etwas habe ich noch nicht mal in Los Angeles gesehen", sagt ein entgeisterter amerikanischer Tourist. In der rollenden Menge herrscht ausgelassene Party-Stimmung. Ein muskulöser schwarzer Skater schiebt vor sich einen Kinderwagen, aus dem ohrenbetäubend Diskomusik dröhnt. Dem rollenden Diskjockey folgt eine Horde zappelnder Teenager-Mädchen, die über ihren Rollerblades viel Bein und wenig Minirock zeigen. Dazwischen amüsiert sich Gerard (20), der zur goldenen Perücke nur ein weißes Bettlacken trägt. "It's Partytime", schreit er beim Vorbeifahren und steckt sich eine Zigarette an.  

 Richtig los ging es nach dem großen Streik. Ein Geburtshelfer des Pariser Roller-Phänomens war ganz unbeabsichtigt die große Politik. 1995 hatte der glücklose Premierminister Alain Juppe drakonische Sparpläne angekündigt. In der Seine-Metropole reagierten Bevölkerung und Gewerkschaften mit einem spektakulären Metro- und Bus-Streik. Vier Wochen mussten sich Hunderttausende per Auto, Fahrrad und zu Fuß ins Stadtzentrum durchkämpfen. "Transport-Notstand" titelte der "Figaro", Tausende stiegen auf Rollerblades um. Seitdem drängen die Skater vehement ins Pariser Stadtbild, die Zahl der nächtlichen Spaßfahrer wuchs. Im Oktober 1997 nahm die Polizei erstmals Kontakt mit den privaten Organisatoren auf und lud sie ins Revier ein. Die Rollschuhliebhaber konnten die Ordnungshüter von ihrer Harmlosigkeit überzeugen. Ordnungsmacht und Rollervertreter schlossen eine Vereinbarung. Die bis dato wilden Skater organisierten sich im Verein "Pari Roller" und meldeten ihre geplante Fahrroute bei der Polizei an, die ihnen als Gegenleistung die Strecke absperrte und Geleitschutz zusagte. Am 31. Oktober 1997 war Premiere. Der Halloween-Lauf war die erste offiziell von der Polizei begleitete nächtliche Ausfahrt der Skater. Die regelmäßigen Treffen am Freitagabend haben sich zuletzt rasend schnell zur Massenveranstaltung entwickelt. "Vor einem Jahr waren es 2000 Teilnehmer, jetzt sind es an guten Freitagen 20.000", sagt Pari-Roller-Präsident Boris Belohlavek. Neuerdings begleiten extra ausgebildete Polizisten den Zug - auf Rollerskates.

Noch mehr Infos auf der offiziellen Homepage des Vereins.

 

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Seite zuletzt geändert am: 07.09.01
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